Wenn man Spanien als Reiseziel nennt, denken viele in erster Linie an einen Badeurlaub, vielleicht noch ans Wandern aber nicht an Skitouren. Aber genau das hatten wir im Programm, Skitouren in den spanischen Pyrenäen. Die Reise wurde in Zusammenarbeit mit dem DAV Summit Club exklusiv für unsere Sektion organisiert.
Am 28.Februar um 8:30 Uhr begann für sechs Skibergsteiger das zehntägige Abenteuer mit der ersten Herausforderung, der Anreise mit der Bahn. Von Dingolfing über München und Mannheim ging die Fahrt zunächst nach Paris. Dort mussten wir mit der Metro den Bahnhof wechseln, von Est nach Austerlitz. Um 22 Uhr sollte dort der Zug mit Schlafwagenzug nach Toulouse abfahren. Eine Stunde vor der Abfahrt bekam ich über die DB-App die Meldung, dass der Zug gestrichen ist. Ein gewaltiger Schreck fuhr mir in die Glieder aber die Meldung stellte sich als frei erfunden heraus, wie so vieles im Internet. Nach dem wir unser Gepäck im Sechserabteil verstaut hatten, stand einer angenehmen Nacht im sanft ratternden Zug nichts mehr im Wege. Am nächsten Morgen um 7 Uhr erreichten wir ausgeschlafen Toulouse. Nach einem Frühstück im Bahnhof, stand auch schon der Kleinbus bereit, der uns in einer 4-stündigen Fahrt ins Valle de Benasque, in der Region Aragon nahe der französischen Grenze brachte. Harry, der Leiter der örtlichen Agentur mit der der Summit Club zusammenarbeitet, ließ es sich nicht nehmen uns an den ersten beiden Tagen zu begleiten. Er stammt aus Deutschland, lebt aber seit 35 Jahren in Spanien. Er vermittelte uns während der zwei Tage viele interessante Aspekte und Hintergrundwissen über Land und Leute. Beim Hospital de la Benasque, einem Langlaufzentrum, endet die Straße und der Aufstieg zur Renclusa Hütte begann. Bei schönstem Wetter stiegen wir gemütlich die 400 Höhenmeter hinauf und konnte dabei die Landschaft genießen. Auf der Hütte waren nur wenige Gäste, wir bekamen ein geräumiges Lager mit eigenem WC und Dusche, was für ein Luxus. Am nächsten Tag wollten wir auf die 3314 m hohe Tuca de la Maladeta aufsteigen. Bei herrlichem Sonnenschein gingen wir die Tour an, nur der für die Pyrenäen oft typische Wind störte ein wenig. Für die letzten 100 Höhenmeter mussten wir die Ski abschnallen und Steigeisen anlegen, um eine sehr steile Rinne zum Gipfel zu überwinden, eine weitere Herausforderung. Am Gipfel angekommen hatte sogar der Wind ein Einsehen und stellte seine Tätigkeit ein. Eine beeindruckende Fernsicht war der Lohn für die Aufstiegsmühen. Die 1600 Hm lange Abfahrt hinunter ins Tal führte über schöne Hänge, nur der Schnee war noch ein wenig hart. Es folgte ein kurzweiliger mit vielen Informationen gespickter Transfer nach Tavascan. Der kleine malerische Ort liegt in Katalonien, nicht weit von Andorra. Im Hotel Llac de Cardos machten wir für die nächsten fünf Nächte Quartier. Eine Unterkunft mit Sauna, hervorragendem Essen und gutem Wein. Am nächsten Tag wollten wir eine kürzere Tour, 940 Hm, auf den Pic del la Coma del Forn machen. Wieder mit dem Kleinbus, diesmal gesteuert von einem örtlichen Fahrer, fuhren wir ein paar Kilometer hinauf zur ehemaligen Skistation Tavascan. Als wir an einer Pferdekoppel vorbeikamen, gab uns der Fahrer stolz zu verstehen, dass dort seine Tiere weiden und er 40 Pferde besitzt. Auf unsere Frage für welchen Zweck er die Pferde züchtet, kam die nüchterne Antwort, zum Essen. Die Verständigung auf der Reise war kein Problem, weil ein Teilnehmer französisch sprach und ein weiterer spanisch. Notfalls wäre man auch mit englisch zurechtgekommen. Nur einmal wäre ich mit Englisch beinahe nicht weitergekommen. In Paris wollte ich Tickets für die Metro am Kaufen. Der ältere Herr am Schalter gab mir zu verstehen, dass er nur gewillt ist auf Französisch zu kommunizieren. Es half auch nichts mit den Händen zu gestikulieren, er blieb standhaft. Seine Kollegin am Schalter daneben war aber sehr freundlich und sprach mit mir gerne Englisch. Das nächste Tourenziel war der Pic de Flamisella. Der Kleinbus brachte uns ein kurzes Stück hinauf nach Quanca, einer verlassenen Almsiedlung. Hier kamen die Ski an den Rucksack, weil wir erst eine Stunde aufsteigen mussten bis die Schneelage ausreichend war. Der Anstieg danach führte über traumhaftes Gelände. Das Wetter war zunächst gut, aber kurz vor dem Gipfel zogen Wolken heran. Um die Abfahrt im schönen Schnee mit guter Sicht genießen zu können entschied wir uns zur Umkehr. Der nächste Tourentag führte uns in das Vall Ferrera im Naturpark Alt Pirineu, wir wollten den 2905 Meter hohen Monteixo besteigen. Bei der Anfahrt zum Ausgangspunkt, sahen wir eine Gruppe Bartgeier auf einem Felsen hocken und wenig später den Grund für deren Anwesenheit, ein verendeter Hirsch. Die Pyrenäen sind ja bekannt für eine große Population von Bartgeiern. Am Ausgangspunkt mussten die Ski wieder für etliche Kilometer an den Rucksack. Dann folgten wir noch lange einer schneebedeckten Almstraße bis wir ins freie Gelände kamen. Unser Blick richtete sich oft nach oben, weil die Wetterprognose nicht sehr vielversprechend war. Als wir eine Höhe von 2500 m erreicht hatten, begann es heftig zu schneien, dadurch war die Sicht sehr eingeschränkt. Schweren Herzens entschieden wir uns zur Umkehr. Am nächsten Tag legten drei Leute einen Ruhetag ein und erkundeten das schöne, aber fast unbewohnte Dorf Tavascan und die Umgebung. Drei wollten bei unsicherem Wetter trotzdem eine kleine Tour machen. Der Tuc de la Cima, wieder von der ehemaligen Skistation aus, war das Ziel. Nur 750 Hm sollte die Tour haben, aber es kam anders. Als wir den Gipfel erreicht hatten sahen wir schöne Abfahrtshänge und das Wetter blieb stabil. Ich ließ mich von dem sehr guten Schnee dazu verleiten, die Hänge weit hinunter zu rauschen. Um den Ausgangspunkt wieder zu erreichen mussten wir danach wieder die Steigfelle aufziehen. 1200 Hm hatten wir am Ende des Tages bewältigt, aber jeder Meter war es Wert. Am nächsten Morgen verließen wir Tavascan, um zwei Tage durch den Nationalpark Aigues Tortes i Estany de Sant Maurici zu ziehen. Ausgangspunkt am ersten Tag war die Passhöhe vom Port de la Bonaigua auf 1900 m Höhe. Vorbei an vielen Seen, führte der Weg durch eine atemberaubende Landschaft hinauf zur Saboredo Hütte. Auf dem Weg liegt der Pic de Amitges, den bestiegen wir bis zu einer Schulter auf 2800 m um dann zur Hütte abzufahren. Das kleine Refugi liegt geduckt unterhalb einer Kuppe auf 2300 m und war fast im Schnee begraben. Zum Eingang gelangte man durch einen freigeschaufelten Tunnel. Es bietet Platz für 20 Leute, war aber nicht voll besetzt. Die beiden Hüttenwirte zauberten ein fabelhaftes Abendessen. Am nächsten Morgen hatten wir es nicht eilig, wir ließen die andern Tourengeher losziehen, bevor wir zum Frühstücken aufstanden. Wir hatten ja nur 450 Hm im Aufstieg zum Ratera Pass zu bewältigen und konnten dann eine 15 Kilometer lange Abfahrt genießen. Beim Refugi Colomers legten wir mittags einen Stopp ein, gerne hätten wir den Bilderbuchtag mit einem Bier gefeiert aber die Hüttenmannschaft hatte Mittagspause und war wohl selber auf einer kleinen Skitour, was ihnen nicht zu verdenken ist. Um 15 Uhr waren wir am Endpunkt der Tour, auf der Straße nach Tredos angekommen, wo bereits der Kleinbus wartete. Drei Stunden später waren wir wieder in Toulouse. Wir hatten noch reichlich Zeit, bis der Zug nach Paris, wieder mit Schlafwagen, um 22 Uhr abfuhr. Die verkürzten wir uns im Le Colombier, einem typischen französischen Speiselokal mit einem Abendessen. Am zehnten Reisetag um 17:25 Uhr kamen wir mit nur 20 Minuten Verspätung wieder in Dingolfing an. Auf die Bahn ist halt doch Verlass. In Erinnerung bleiben uns, sehr einsame Touren, eine atemberaubende Landschaft, überaus freundlich Menschen und ein sehr harmonischer Teamgeist in der Reisegruppe.
Die Pyrenäen sind natürlich auch im Sommer eine Reise wert. Die Sektion spielt mit dem Gedanken, in 2027 eine Wanderreise zu organisieren. Wer Interesse hat kann sich schon jetzt bei mir melden.