FAQs: Was steckt hinter dem Lawinenlagebericht?
Der Lawinenlagebericht fasst alle wichtigen Informationen zusammen, die einen Einfluss auf die Auslösung von Lawinen haben, und gibt eine Gefahrenstufe von 1 (gering) bis 5 (sehr groß) an. Er bietet Wintersportler*innen auf Ski- und Schneeschuhtouren, beim Freeriden oder Winterwandern eine Informationsgrundlage für die Tourenplanung, um Risiken zu minimieren.
Der Lawinenlagebericht erscheint im Winter täglich um 17 Uhr. Die Veröffentlichung startet, sobald ausreichend Schnee liegt, normalerweise Ende November oder Anfang Dezember. Die Saison geht meist bis April oder sogar Anfang Mai.
In den Lawinenlagebericht fließen sehr viele verschiedene Daten. Diese kommen zu einem Teil aus dem automatischen Messnetz des Lawinenwarndienstes, zum anderen direkt von Beobachter*innen. „Unsere Leute vor Ort liefern uns ganz viele Informationen zum Schneedeckenaufbau und zur aktuellen Wettersituation“, erzählt Thomas Feistl. Außerdem besteht ein sehr enger Kontakt zum Deutschen Wetterdienst. Bis zum Nachmittag werden alle diese Informationen zusammengetragen, gesichtet und ausgewertet. Eine der großen Herausforderung ist, aus den punktuellen Informationen Schlüsse für eine ganze Region zu ziehen. „Je mehr Daten wir haben, desto besser gelingt das“, so Thomas Feistl. „Manche der beobachteten Prozesse, die in der Schneedecke stattfinden, sind recht leicht auf die Breite zu übertragen. Wenn mehrere Beobachter*innen Oberflächenreif finden, kann ich davon ausgehen, dass dieser wahrscheinlich überall zu finden ist.“ Alle diese Infos und Überlegungen fließen in den Lawinenlagebericht ein und bilden die Basis für die Festlegung der Gefahrenstufe.
Die Lawinengefahrenstufe stützt sich auf drei Faktoren: Zum einen auf die Stabilität der Schneedecke. Das heißt, wie stabil deren Aufbau ist, wie leicht eine Lawine durch eine Person ausgelöst werden kann oder ob sie von selbst abgehen kann. Zum anderen ist die Anzahl der Gefahrenstellen im Gelände entscheidend. Bei viel Neuschnee gibt es oft sehr viele Gefahrenstellen. In anderen Situationen können auch nur einzelne Hänge betroffen sein. Zuletzt ist entscheidend, wie groß Lawinen werden können. Diese drei Faktoren werden anhand einer europaweit einheitlichen Matrix bewertet. Und daraus ergibt sich dann die Gefahrenstufe: von 1 (gering), 2 (mäßig), 3 (erheblich), 4 (groß) bis 5 (sehr groß).
„Die Gefahrenstufe ist wichtig, um sich bei der Planung zu überlegen, ob am nächsten Tag überhaupt ein Berg - zum Beispiel bei einem Dreier - machbar ist, oder ob man es lieber gleich bleiben lässt“, erklärt Thomas Feistl. Die zusätzlichen Informationen geben die Lawinenprobleme und die Gefahrenstellen genauer an. „Diese sind wichtig, um am Einzelhang noch einmal zu überlegen: Gibt es eine Schwachschicht in der Schneedecke oder muss ich auf Triebschnee achten?“
„Oft denkt man, bei Gefahrenstufe 1 besteht keine Gefahr. Das ist aber nicht so. Gefahrenstufe 1 ist immer noch eine geringe Lawinengefahr. Es gibt auch bei Gefahrenstufe 1 noch Hänge und Situationen, wo es Lawinen geben kann“, betont Thomas Feistl. „Das heißt, man ist beim Einser nicht 100-prozentig sicher unterwegs.“ Die Gefahr steigt von Stufe zu Stufe sehr steil an, das ist vielen nicht klar. Bei Gefahrenstufe 2 ist es schon deutlich gefährlicher als bei Stufe 1. Und bei Gefahrenstufe 3 gibt es bereits viermal so viele Gefahrenstellen wie bei Gefahrenstufe 2. Bei 3 besteht eine erhebliche Gefahr, die man sehr ernst nehmen sollte. Die Gefahrenstufe 5 ist als Katastrophenfall zu verstehen, bei dem man auf jegliche Touren im Gelände unbedingt verzichten muss.
Die Arbeit des Lawinenwarndienstes ist enorm wichtig und die Verantwortung, die auf den Schultern der Mitarbeitenden lastet, ist groß. Aber draußen am Berg ist man für seine Entscheidungen letztlich selbst verantwortlich. Der Lawinenlagebericht ist eine wichtige Quelle dafür, aber nicht die einzige. Wichtig ist, selbständig Informationen über das Wetter, das Tourengebiet und das Gelände einzuholen, zum Beispiel über Tourenportale (alpenvereinaktiv.com, skitourenguru.com) und Webcams. Der Lawinenlagebericht bezieht sich immer auf eine Region. An einzelnen Hängen kann die Situation vom Bericht abweichen. Auch das Können und die Fitness der Tourenpartner*innen muss in die Planung einfließen. Lawinenunfälle sind meist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. „Da spielen auch psychologische Faktoren rein, wie großer Ehrgeiz oder vermindertes Risikobewusstsein“, so Thomas Feistl.
Trotz der minutiösen Arbeit des Lawinenwarndienstes liegt dieser auch mal falsch. „Das passiert an ca. zehn Prozent der Tage“, räumt Thomas Feistl ein. Die Lawinengefahr kann nie zu hundert Prozent richtig eingeschätzt werden. Es bleibt also immer ein Restrisiko, wenn man unterwegs ist. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen nicht hundertprozentig auf das verlassen, was wir tun. Wir tun unser Bestes. Wir versuchen immer richtig zu liegen, aber wir liegen nicht immer richtig.“
Hintergrund-Info: Wie entsteht der Lawinenlagebericht?
Lawinenwarndienste in
Deutschland
Tirol, Südtirol und Trentino
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Deutsch: lawinen.report
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Englisch: avalanche.report
Österreich
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LWD Vorarlberg
Beratung: 0043-5574-511 21126 -
LWD Salzburg
Beratung: 0043-662-8042-2170 -
LWD Kärnten
Tonband: 0043-50536-1588
Beratung: 0043-664-6202229 -
LWD Steiermark
Tonband: 0800-316-1588
Beratung: 0043-316-242200 -
LWD Niederösterreich
Beratung: 0043-316-242200 + 0043-664-8105928
Italien
Schweiz
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WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF
Beratung: 0041-81-417-0111
Frankreich
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Meteo France
Tonband: Inland: 08-3668 1020 sonst: 0033-8926-81020
Europäische Lawinenwarndienste
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Übersicht: http://www.lawinen.org/
Schneehöhen
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Meldungen der Skigebiete: bergfex.de
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Schneehöhen nach Region: skiinfo.de
Bergwetter
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Ebenso wichtig für die Vorbereitung ist der Blick aufs Wetter:
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